Depression in Zeiten von Corona

Macht uns Corona depressiv? Wann spricht man von einer Depression überhaupt? Und könnte auch ich betroffen sein?

Depression in Zeiten von Corona. Das alles wird in diesem Blogartikel erklärt. Im Anschluss findest du einen Depressionstest. Hast du den Verdacht von Depression betroffen zu sein? Mache den Selbsttest, und finde heraus, ob du die Kriterien für eine Depression zum Zeitpunkt der Testung erfüllst.

Bin ich psychisch krank?

Was Corona mit unserer Psyche macht

Depression in Zeiten von Corona – Bin ich betroffen? Gefühlt ständig liest man momentan, dass die psychische Belastung in der Bevölkerung zunimmt, sogar bis hin zu vermeintlich erhöhten Suizidraten. Vielleicht hast du auch an dir selbst bemerkt, dass es dir seit Corona-Beginn (also seit Anfang letzten Jahres) zum Teil schlechter geht. Falls ja, dann geht es auf jeden Fall nicht nur dir so.

So hat zum Beispiel eine Untersuchung von über 200 Studien ergeben, dass sich die allerwenigsten Menschen in Deutschland von der Pandemie nicht auf irgendeine Weise belastet fühlen. Das ist auch gar kein Wunder. Die COVID-19-Pandemie stellt einen Stressfaktor dar, der uns auf vielen Ebenen belasten kann.

Veränderungen durch Corona

Zum einen hat uns die Unvorhersehbarkeit der Dauer verunsichert und verängstigt und tut dies auch zum Teil immer noch. Die Corona-bedingten Beschränkungen haben sich auf verschiedene Lebensbereiche ausgewirkt: Freunde und Familie können weniger gesehen werden, wodurch man sich vielleicht einsam fühlt (zum Blogartikel: “Soziale Isolation”). Durch mangelnden sozialen Kontakt (oder sogar aufgrund von „zu viel“ Kontakt aufgrund von Homeoffice) kommt es zu Konflikten in Beziehungen. Angst und Trauer um Nahestehende, welche erkrankt waren oder sind. Finanzielle Sorgen, Angst um den Job oder sogar Arbeitslosigkeit. Damit in Verbindung stehen Gefühle von Kontrollverlust, Hilflosigkeit und zum Teil eine pessimistische Sicht auf die Zukunft.

Auch Dinge, die uns vorher zumindest kurzzeitig Freude bereitet haben, sind nach und nach weggefallen: Soziale Kontakte und das damit verbundene Gefühl der Gemeinschaft – welches für unser Wohlbefinden einfach so wichtig ist, Freizeitbeschäftigungen und sportliche Aktivitäten – durch die wir einfach mal abschalten konnten und die uns ein positives Gefühl verschafft haben. Aber auch Hilfesysteme, wie z.B. Gesprächsgruppen (siehe auch: “Online-Selbsthilfegruppe für Frauen”) oder Therapien, sind durch Corona ausgefallen oder nur noch mit Einschränkungen möglich.

Mittlerweile konnten wir uns zwar bezüglich mancher Dinge neu organisieren: Neue Hobbies wurden entdeckt sowie auch neue Wege der Kommunikation (dem Internet sei Dank). Dennoch ist das natürlich nicht dasselbe. So langsam fühlen wir uns ausgelaugt und wünschen uns die „alte Normalität“ zurück.

Psychische Gesundheit & Corona

Wenn man sich all dies vor Augen hält, scheint es wirklich nicht abwegig zu sein, dass sich in vielen Studien (auch international) ein Anstieg an psychischen Symptomen oder sogar klinisch-relevanten Störungen zeigen lässt. Vor allem werden hier über hohe Raten von Depressionen, Angstsymptomen, posttraumatischen Belastungsstörungen und auch Zwangsstörungen berichtet.

Wie im letzten Beitrag (Bin ich psychisch krank“) bereits beschrieben, bedeuten bestimmte Symptome (wie z.B. Ängste oder ein Gefühl der Niedergeschlagenheit) nicht sofort, dass man psychisch krank ist. Denn das hängt kurz gefasst vom persönlich empfundenen Leidensdruck, negativen Auswirkungen auf verschiedene Lebensbereiche – wie z.B. sozial und beruflich, und der Dauer ab. Dennoch erhöht so ein dauerhafter Stressor, wie es Corona nunmal ist, die Gefahr, z.B. an einer Depression zu erkranken, erhöht. Außerdem weisen erhobene Daten auch darauf hin, dass bei vielen bereits Depressiven aufgrund von Corona zu einer erhöhten Belastung und Verschlechterung kommt.

Was sind Depressionen überhaupt genau?

Ein paar Fakten über Depression. Depressionen zählen mit über 5 Millionen Betroffenen in Deutschland und ca. 322 Millionen Betroffenen weltweit (pro Jahr) zu den häufigsten psychischen Störungen. Frauen sind dabei etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer. Studien gehen davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit, irgendwann im Lebensverlauf an einer Depression zu erkranken, bei 20% liegt.

Das heißt, dass eigentlich jeder jemanden kennt, der schon einmal eine Depression hatte, momentan unter einer leidet oder dies noch wird (auch wenn solche Prognosen natürlich recht düster klingen). Da die Beeinträchtigungen durch Depressionen recht schwerwiegend werden können, sich häufig chronifizieren und auch leider nicht selten mit hoher Suizidalität und Suizidraten einhergehen, ist es umso wichtiger, eine Depression möglichst früh zu erkennen.

Wahrscheinlichkeit an Depression im Lebensverlauf zu erkranken
0%
Wahrscheinlichkeit in eine zweite depressive Phase zu rutschen
0%

Merkmale einer Depression. Eine Depression zeichnet sich in erster Linie durch gedrückte Stimmung, Freudlosigkeit und Interessenverlust (auch an Dingen, die einem vorher Freude bereitet haben), einem verminderten Antrieb und gesteigerter Ermüdbarkeit aus.

Außerdem sind Betroffene häufig weniger konzentriert und aufmerksam, fühlen sich wertlos, werden von Schuldgefühlen geplagt, blicken mit negativer bzw. pessimistischer Sicht in die Zukunft, haben Schlafstörungen (z.B. Ein- und Durchschlafen), weniger Appetit, denken häufig an den Tod bzw. Suizid, verletzen sich selbst oder führen auch Suizidhandlungen aus. Zudem können auch körperliche Symptome wie Schmerzen (z.B. Kopf- oder Bauchschmerzen) und einem nachlassenden sexuellen Interesse einhergehen.

Welche depressiven Beschwerden spürst du im Moment bei dir?

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Schweregrad der Depression. Wie schwer eine Depression ausgeprägt ist und welche Symptome sich zeigen, kann sehr individuell sein. Man unterscheidet hier zwischen den Schweregraden leicht, mittel und schwer.

Für die Diagnose einer Depression sollten die Symptome seit mindestens 2 Wochen vorliegen. Eine depressive Episode kann zwischen 2 Wochen und mehreren Jahren andauern, im Schnitt liegt die Dauer etwa bei 5 Monaten.

Zwar kann eine solche Episode auch von alleine abklingen, jedoch kommt es in fast 80% der Fälle im Laufe der Zeit zu mindestens einer weiteren Episode. Da es auch, wie bereits erwähnt, zu einem chronischen Verlauf kommen kann, ist es besonders ratsam, sich bei einem Verdacht auf Depression, Hilfe zu suchen.

Wie kommt es zu einer Depression?

Mögliche Ursachen für eine Depression. Da sich Depressionen recht unterschiedlich ausdrücken können, gibt es auch einige Theorien und Modelle darüber, wie eine depressive Störung entstehen kann und vermutlich ist eine Kombination aus biologischen, psychologischen und sozialen Faktoren dafür verantwortlich.

Risikofaktoren. Zu den biologischen Faktoren gehört zum einen eine genetische Veranlagung, das heißt eine dadurch erhöhte Anfälligkeit dafür, bei stark belastenden Erlebnissen eine depressive Störung zu entwickeln. Dazu gehören etwa Verlusterlebnisse, chronischer Stress, zwischenmenschliche Konflikte, Isolation und sogar Schichtdienst kann das Depressionsrisiko erhöhen (als Grund wird sozialer Abschluss aber auch die Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus der sogenannte circadiane Rhythmus). Zum anderen kann auch die Überaktivität bestimmter Gehirnareale z.B. zu einer Überproduktion des Stresshormons Cortisol führen, wodurch die negativen Emotionen auf Gehirnebene schwieriger reguliert werden können.

Psychologische Faktoren umfassen zum Beispiel das Temperament und den Persönlichkeitsstil einer Person. So wird davon ausgegangen, dass etwa selbstunsicheres oder abhängiges Verhalten eher zur Erkrankung an einer depressiven Störung führen kann. Ebenso wie auch zu hohen Erwartungen an sich selbst oder andere und ein länger anhaltender negativer Denk- und Bewertungsstil.

Die sozialen bzw. interpersonellen (zwischenmenschlichen) Faktoren spielen bei der Entstehung einer Depression ebenfalls eine wichtige Rolle. Darunter zählen zum einen Arbeits-, Wohn- und Lebensverhältnisse aber vor allem auch das menschliche Miteinander. Persönliche Verluste wie z.B. durch Trennungen, Scheidung oder Tod oder auch langanhaltende Auseinandersetzungen und ein damit einhergehendes negatives zwischenmenschliches Klima in Kombination mit einem Mangel an Unterstützung durch andere, begünstigen das Auftreten einer Depression.

Insgesamt sind die Faktoren stets als Ganzes zu betrachten und Depressionen treten eigentlich immer im psychosozialen Kontext auf. Das heißt, dass belastende Ereignisse zu einer depressiven Verstimmung führen können und dann durch ein Zusammenwirken von zum Beispiel einer eher negativen Denkweise und zu wenig sozialer Unterstützung durch andere Personen eine Depression entstehen kann.

Fragen für den Selbsttest: Depression

Folgende Fragen beziehen sich auf den Zeitraum der letzten zwei Wochen.

Kernkriterien
1. Hast du dich in dieser Zeit die meiste Zeit über (also fast jeden Tag) bedrückt, traurig und hoffnungslos gefühlt?

2. Hattest du in dieser Zeit das Gefühl, dass du dich für fast gar nichts mehr interessieren kannst und auch keine Freude mehr für Dinge empfinden konntest, die dir sonst Spaß gemacht haben?

3. Hattest du in den dieser Zeit das Gefühl, dass du dich zu gar nichts aufraffen kannst?

Nebenkriterien
4. Konntest du dich in dieser Zeit nur noch schwer auf Dinge konzentrieren und warst irgendwie unaufmerksam?

5. Hattest du in dieser Zeit das Gefühl, wertlos zu sein und hast viel an dir selbst gezweifelt?

6. Haben dich in dieser Zeit Schuldgefühle geplagt?

7. Hattest du in dieser Zeit das Gefühl, dass die Zukunft ziemlich düster aussieht und nichts wieder besser werden wird?

8. Hattest du in dieser Zeit Probleme beim Ein- oder Durchschlafen oder bist ungewollt morgens früh aufgewacht und konntest dann nicht mehr einschlafen?

9. Hattest du in dieser Zeit weniger Appetit als sonst und hast vielleicht sogar ungewollt abgenommen?

10. Hattest du in dieser Zeit keine Lust mehr auf Sex?

10. Hast du in dieser Zeit häufig an den Tod gedacht?

11. Hast du in dieser Zeit darüber nachgedacht, dir etwas anzutun oder dich selbst verletzt?

Schweregrad

12. Hast du dich in dieser Zeit durch die genannten Probleme im Beruf und/oder im sozialen Kontakt stark eingeschränkt gefühlt?

13. Konntest du in dieser Zeit deine beruflichen und häuslichen Aufgaben, sowie soziale Aktivitäten (z.B. Treffen mit Freunden) noch erledigen bzw. fortsetzen?

13. Konntest du in dieser Zeit deine beruflichen und häuslichen Aufgaben, sowie soziale Aktivitäten (z.B. Treffen mit Freunden) nur noch mit großer Mühe erledigen bzw. fortsetzen?

Beesdo-Baum, K., Wittchen, H.-U. (2011). Depressive Störungen: Major Depression und Dystymie. In Wittchen, H.-U. & Hoyer, J. (Hrsg.), Klinische Psychologie & Psychotherapie (2. Auflage) (879-914). Berlin Heidelberg: Springer.

Berking, M. & Radkovsky, A. (2012). Affektive Störungen und Suizidalität. In Berking, M. & Rief, W. (Hrsg.), Klinische Psychologie und Psychotherapie für Bachelor. Band I: Grundlagen und Störungswissen (29-48). Berlin Heidelberg: Springer.

Brakemeier, E.-L., Wirkner, J., Knaevelsrud, C., Wurm, S., Christiansen, H., Lueken, W. & Schneider, S. (2020). Die COVID-19-Pandemie als Herausforderung für die psychische Gesundheit. Erkenntnisse und Implikationen für die Forschung und Praxis aus Sicht der Klinischen Psychologie und Psychotherapie. Zeitschrift für Klinische Psychologie und Psychotherapie, 49(1), 1-31.

Bundesministerium für Bildung und Forschung (2020, 04. Dezember). NAKO Gesundheitsstudie: Stärkere psychische Belastung durch Corona-Pandemie. Aktuelle Meldungen – Archiv 2020. https://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/nako-gesundheitsstudie-starkere-psychische-belastung-durch-corona-pandemie-12564.php

Hüttemann, D. (2020, 13. November). Depressionen verschlechtern sich – jetzt dagegen angehen. Pharmazeutische Zeitung. https://www.pharmazeutische-zeitung.de/depressionen-verschlechtern-sich-jetzt-dagegen-angehen-121807/

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Ledochowski, L., Stark, R., Ruedl, G. & Kopp, M. (2017). Körperliche Aktivität als therapeutische Intervention bei Depression. Nervenarzt, 88, 765-778.

World Health Organization [WHO] (2017). Depression and Other Common Mental Disorders: Global Health Estimates. Geneva: World Health Organization.

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Depression in Zeiten von Corona. Bin ich depressiv?

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