Psychische Belastung im Gesundheitswesen durch die Corona-Pandemie

Psychische Belastung im Gesundheitswesen.Ich kann nicht mehr!“ Das haben wir seit Ausbruch der Corona-Pandemie wohl alle häufig gedacht. Die Krise hat uns alle stark getroffen und belastet unsere Psyche immer weiter (à Blogartikel Psychische Belastung durch Corona). Vor allem die Mitarbeiter*innen im Gesundheitswesen trifft die Pandemie schwer. Krankenhauspersonal, Psychotherapeut*innen und Ärzt*innen sind seit einem Jahr ganz besonderen psychischen Belastungen ausgesetzt.

Wie wirkt sich die Corona-Pandemie auf die mentale Gesundheit von Klinikpersonal aus?

Die Arbeit in Kliniken und Therapieeinrichtungen kann belastend sein. Besonders verstärkt wird diese Belastung durch die aktuelle Corona-Situation. Allgemeine Unsicherheiten, Ängste und Sorgen gehen auch am Personal im Gesundheitswesen nicht spurlos vorbei.

Es wurden in kürzester Zeit Krisen- und Stufenpläne, sowie deutschlandweite Einsätze in therapeutischen Klinken geplant. Gemeindepsychiatrische Dienste wurden in den Krisenmodus überführt, Intensivstationen im Krankenhaus wurden umstrukturiert und die Arbeitszeiten haben sich drastisch verändert. Neue Schichten, neue Arbeitsorte, neue Aufgaben.

Das Klinikpersonal – Angehörige aus der Ärzteschaft, Pflege, Psychologie, Sozialarbeit und sonstiges Klinikpersonal – erlebt täglich erhebliche Belastungen durch Stresserleben, ängstliche und depressive Symptome. Diese Belastungsfaktoren können gemeinsam zu psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Posttraumatischen Belastungsstörungen oder Angststörungen führen (Petzold et al. 2020).

Durch den direkten und zeitintensiven Kontakt mit Corona-Patient*innen, sind Pfleger*innen vermehrt den Sorgen und Ängsten der Personen ausgesetzt, sowie dem Virus selbst. Das führt zu einer deutlich erhöhten subjektiven Belastung und erhöhtem Stress des Personals. Die Sorgen um die eigene Zukunft und die Angst Freund*innen oder die Familie mit Corona zu infizieren, verstärkt den mentalen Stress und die psychische Belastung der Mitarbeiter*innen im Gesundheitswesen (Kramer et al., 2020)

Ärzt*innen und Psychotherapeut*innen stehen zudem vor dem Problem, abwägen zu müssen, welche Personen sie aufnehmen und behandeln können und welche nicht. Besonders in Italien war diese Triage im vergangenen Jahr extrem. Das ständige Vergleichen zwischen den eigenen Moralvorstellungen und den verfügbaren Ressourcen, führt bei Ärzt*innen und Psychotherapeut*innen zu enormem psychischen Stress. Die Überlegung „Wie schlimm ist es für die jeweilige Person tatsächlich?“ und das Entscheiden darüber, wer behandelt wird, kann Scham- und Schuldgefühle bei der behandelnden Person hervorrufen und bis hin zu psychischen Erkrankungen führen (Deutsches Ärzteblatt, 2020).

Die Krise in anderen Ländern

Nicht nur in Deutschland ist das Klinikpersonal mit der neuen Situation überfordert und kämpft mit starker psychischer Belastung. Umfragen in China zeigten, dass dort in etwa die Hälfte aller Klinikmitarbeiter*innen Angst- und Depressionssymptome zeigte. Meistens waren diese Symptome mild, jedoch erfüllten 15% aller Befragten die Kriterien für eine mittlere bis schwere Depression. Etwa ein drittel des Klinikpersonals leidet in China unter Schlafstörungen und 71% der Befragten zeigten deutliche psychische Belastungssymptome (Lai et al., 2020).

Studien von Schweizer Psycholog*innen ergaben zudem, dass die Mitarbeiter*innen im Gesundheitswesen Anzeichen einer Anpassungsstörung aufweisen, sie also eine psychische Reaktion auf ein kritisches Lebensereignis zeigen. Die Häufigkeit dieser Symptome liegt bei Klinikpersonal derzeit deutlich über dem Durchschnitt der Allgemeinbevölkerung aus Vor-Corona-Zeiten.

Die Krise als Chance?

Einen kleinen Lichtblick gibt es dann aber doch: Studien zeigten, dass soziale Unterstützung die Ängste und den Stress der Mitarbeiter*innen im Gesundheitssystem reduziert. Zudem verbessert es die Stimmung und steigert das Selbstvertrauen.

Und auch der vermehrte Einsatz von Telemedizin, wie beispielsweise Online-Therapiesitzungen oder Online-Selbsthilfegruppen, nimmt eine zentrale Rolle bei der Bewältigung der Pandemielage ein.

Diese Art der Pandemiebewältigung kann dazu führen, dass sich auch längerfristig die psychiatrische Versorgung in vielen Hinsichten ändern kann. Sie bietet neue Formen der Unterstützung und Begleitung von Patient*innen auch außerhalb einer stationären Behandlung.

Durch die Corona-Pandemie wurden wir dazu gedrängt uns zu verändern, neue Behandlungs-Settings zu etablieren und uns persönlich weiterzuentwickeln. Die Situation ist belastend, anstrengend und verängstigend. Aber vielleicht ist sie, zumindest im Hinblick auf den Ausbau der Telemedizin und die damit einhergehenden neuen Möglichkeiten in der Behandlung von psychisch erkrankten Menschen, auch eine Chance.

 

 

Bohlken, J. et al. (2020). COVID-19-Pandemie: Belastung des medizinischen Personals. Psychiat Prax 2020; 47: 190-197.

Bühring, P. (2020). Psychische Belastung in der COVID-19-Pandemie: Allgemeine Verunsicherung. Deutsches Ärzteblatt 2020; 117 (43).

Ihl, R. (2020). Psychiatrische Aspekte einer Pandemie. DNP – Der Neurologe & Psychiater. 2020; 21 (3).

Kramer, V. et al. (2020). Subjective burden and perspectives of German healthcare workers during the COVID-19 pandemic In: European Archives of Psychiatry and Clinical Neuroscience.

Lai J. et al. (2020). Factors Associated With Mental Health Outcomes Among Health Care Workers Exposed to Coronavirus Disease 2019. JAMA Network Open.

Petzold M. B., Plag J., & Ströhle A. (2020). Dealing with psychological distress by healthcare professionals during the COVID-19 pandemia. Nervenarzt 2020. 417–21

Richter, D. & Zürcher, S. (2020). Psychiatrische Versorgung während der COVID-19-Pandemie. Psychiat Prax 2020; 47: 173-175.

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